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Die Selmer-/Maccaferri-Gitarre
Bereits in den frühen 1920er Jahren waren in der damaligen Vorkriegszeit viele Gitarrenbauer, hauptsächlich aus Italien immigriert, nach Paris gekommen. Unter diesen Gitarrenbauern war auch ein italienischer Immigrant Namens Mario Maccaferri. Geboren 1900 in Cento nahe Bologna / Italien, war Maccaferri selbst ein guter Gitarrist und später auch ebensolcher Gitarrenbauer. Hier kann man seine von Paul Hostetter sehr detailliert beschriebene Lebensgeschichte (in englisch) nachlesen .

1937 jazzhot publicity for selmerNachdem Macafferri zunächst einige eigene, klassische Gitarrenmodelle entworfen und mario2gebaut hatte (er war selbst klassischer Gitarrist und Schüler des berühmten klassichen Gitarristen Segovia) begann Mario Maccaferri Mitte der 20er Jahre für die Fa. Selmer, die damals schon Musikinstrumente herstellte, zu arbeiten.

Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Verstärker für Instrumente wie Gitarren gab und die damaligen Jazz-Bands i.d.R. aus Bläsern bestanden war das Schicksal der Gitarristen "nicht gehört zu werden" allgegenwärtig.

Maccaferri begann daher auf Wunsch von einigen damaligen bekannten Gitarristen neue Konzepte im Gitarrenbau zu entwickeln. Unter anderem entwickelte er ein Modell einer Gitarre die später als die "Maccaferri"-Gitarre berühmt wurde.

Diese Gitarre hatte u.a. ein grosses D-förmiges Schallloch (siehe Foto) und,d_hole um ihren Klang weiter zu verstärken, einen sog. eingebauten Resonator.

Dieser Resonator war eine Art trichterförmig in den Korpus eingebaute 2. Schallkammer die den Klang des Korpus wie eine Art "Subwoofer" verstärkte.

Auch Django Reinhardt war sehr an diesen Gitarren interessiert und bestellte sich eine dieser neuartigen Gitarren. Hier ein Foto mit seiner ersten Maccaferri-Gitarre und einigen Bandkollegen 1932:
015-SteI_phane-Graeuro_-circa-1935
Django Reinhardt spielte die Maccafferri-Gitarren von Anfang der 30er Jahre bis ca. Mitte/Ende der 30er.

Diese Gitarren besaßen durch ihre spezielle Bauweise (u. a. durch die im Korpus eingebaute Klangverstärkung in Form eines Resonators aus Holz, siehe Foto links) einen ganz eigenen, sehr brillianten und durchsetzungs-fähigen Klang und stehen eigentlich für den klassischen Django Reinhardt- Sound schlechthin.

Diese sog. D-Loch-Gitarren wurden von Mario Maccaferri von ca. 1931 bis ca. 1934 gebaut.

Später begann Mario Maccafferri im Auftrag der Firma Selmer zu arbeiten und entwarf neue Modelle mit der gleichen Bauform (s.u.). Siehe auch unser Artikel "Merkmale orignaler Selmer-Gitarren"

Nachdem Mario Maccaferri 1934 die Firma Selmer verlassen hatte, wurde auch das Design der Gitarren nochmals verändert: nach dem Übergangsmodell "Grand bouche", das u.a. auch von Joseph Reinhardt (Django´s Bruder und jahrelang auch sein Rhythmusgitarrist) gespielt wurde, etablierte sich das Modell "Petite Bouche" mit dem sog. "Oval Hole" dem Macafferri Resonatorovalen kleinen Schallloch, welche Django Reinhardt von nun an hauptsächlich spielte.

Diese Gitarren haben durch ihre spezielle Bauform und Konstruktion und das kleine oval Schallloch einen noch lauteren, sehr durchsetzungesfähigen Ton, weshalb diese Gitarrenform bis heute von den meisten Sinti- und Jazzmanouche-Gitarristen gespielt wird.
django_reinhardt_selmer
Django´s letzte Gitarre mit der Serien-Nr. #503 (Foto rechts) war eine Selmer Baujahr 1940, die Django bis zu seinem Tod 1953 spielte und die sich heute in der Médiathèque der Cité de la Musique in Paris befindet, gespendet nach seinem Tod von Naguine, Django´s zweiter Ehefrau.

Nachdem Mario Maccaferri sich später aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hatte übernahmen andere bis heute berühmte Gitarrenbauer die Bauform der Selmer-/Maccafferi Modelle.

Als bekannteste Namen sind hier Jacques Favino, Jacques Castellucia oder Bernabe Busato zu nennen. In unserem Gitarren-Archiv finden sich jede Menge Bilder dieser wundervollen Gitarren für den interessierten Gitarristen.



selmer-bookWeitere Infos zu diesen Selmer-/Maccafferri-Gitarren finden sich auch in unserem Artikel "Merkmale originaler Selmer-Gitarren".
Eine sehr gute Beschreibung  der Geschichte der Selmer-Gitarren hat R.F. Charle, der heute noch einen Gitarrenladen in Paris betreibt, in seinem Buch "THE STORY OF SELMER MACCAFERRI GUITARS" geliefert .

Durch die immer grösser werdende Nachfrage gibt es heute weltweit immer mehr Gitarrenbauer die diese weltberühmten Gitarren (für fast jeden Geldbeutel) nachbauen. Siehe auch unter "Django Guitarmakers" .

Leider treibt diese Nachfrage aber auch immer wieder recht seltsame Blüten. Wie auch unter "Warnung vor falschen Favinos" und unseren Artikeln Faked Selmer, Faked Busato und Fake Favino nachzulesen ist, werden immer wieder gefälschte Gitarren im Internet angeboten die für teures Geld als Original angepriesen werden. Hiervor muss eindringlich gewarnt werden!

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