Merkmale Favino-Gitarren (1/3)

In dieser Artikelserie beschreiben wir, wie auch schon in unseren Artikelserien Merkmale originaler Selmer-Gitarren, Merkmale originaler Busato-Gitarren und Merkmale originaler DiMauro-Gitarren, die wichtigsten Merkmale von original Favino-Gitarren.

Die Zeitperioden


Grundsätzlich muss man bei Favino-Gitarren 2 verschiedene Zeitperioden unterteilen:
die Gypsyjazz-Modelle des Vaters Jacques Favino wurden gebaut von ca. 1956 bis 1982/83 und die Gypsyjazz-Modelle seines Sohnes Jean-Pierre Favino, gebaut ab 1983/84 bis heute.

Hier zu sehen eine Favino Bj. 1960 (Bild 1 links) und je ein Modell von Jean-Pierre Favino, ein D-hole Modell aus 1976 (Bild 2 rechts), sowie aus Bj. 1996 (Bild 3 rechts).

favinotable Fav_1982_Dhole_849 1996favino_02


Periode 1: Jacques Favino


Beide Zeitperioden und ihre Instrumente unterscheiden sich grundsätzlich. Die ab ca.1956 von Jacques Favino gebauten Gitarren weisen eine grössere und dickere Bauform des Korpus als die der Selmer-Gitarren auf und haben eine andere, eigens durch Jacques Favino entworfene Anordnung der Bracings (Verstrebungen) im Korpus selbst.
Alle Modelle gab es von Anbeginn sowohl als O-Loch, als auch als D-Loch-Modelle (siehe auch Merkmale originaler Selmer-Gitarren), wobei die O-Loch-Modelle bei Favinos beider (Vater und Sohn) weitaus in der Überzahl sind.

Die Verstrebungen (Bracings)


So baute Jacques Favino seine ersten akustischen Jazz-Gitarren-Modelle No. 10 mit 5 Verstrebungen (Bild 4) entgegen den original konstruierten 4 Bracings der Selmer-Gitarren (Bild 5). Dies ergibt ein komplett anderes Schwingungsverhalten der Decke, die ja hauptsächlich für den Sound einer akustischen Gitarre verantwortlich ist.

Favino 5 Bracing Selmer 4 BracingAllerdings gab es nach dem Weggang von Mario Macafferri von Selmer auch eine sog. "transitional Period", also eine Übergangsphase in der mit verschiedensten Veränderungen des von Macafferri entworfenen Grundmodells experimentiert wurde.

Das erklärt auch, warum es durchaus unterschiedliche Selmer-Modelle mit verschiedenen Bracings (sowohl mit 4, 5 aber auch sogar nur 3 Bracings) gibt.

favino construction planDie von Jacques Favino sehr früh Ende der 50-Jahre entworfenen Bracings seiner Gitarrenmodelle sind ausschlaggebend für den "typischen" Favino-Sound: runde Bässe, crispe Höhen und durchsetzungsfähige Mitten, mit einem Touch "Knurren" dabei.

Man kann diesen typischen Sound auf vielen Schallplattenaufnahmen der grossen Gypsyjazz-Gitarristen wie Tschan-Tschou Vidal, Bireli Lagrene oder Hännsch´che Weiss, Moreno Winterstein oder Tschavolo Schmitt (und viele viele andere mehr) eindeutig heraus hören. favinoManche

Die Hälse (Neck)

favino 1969 macias
Grundsätzlich verbaute Jacques Favino bei allen seinen Gitarren-Modellen dreiteilige Hälse aus Ahorn mit einem Griffbrett aus Ebenholz. Dies ist ein sehr typisches Merkmal, welches heute von verschiedensten Gitarrenbauern nachempfunden und kopiert wird (Bild 6 links).
Eine seiner ersten Gitarrenserien aus den 1960er Jahren, das Modell Macias (ursprünglich für Jacques Brel gebaut), hatte ausserdem zusätzlich wunderbare Inlays aus echten Perlmuttstreifen (Bild 7 rechts).


Der Halsübergang (neckjoint)

fav neckjoint
Bei Favino-Gitarren ist ausserdem der Halsübergang (Neckjoint) sehr fein ausgearbeitet, sodass die höheren Lagen trotz des dickeren Korpus der Gitarren sehr gut spielbar sind. Auch das ist ein sehr typisches Merkmal im Gegensatz zu vielen anderen Gypsyjazz-Gitarren und Selmer-Kopien welche oft deutlich gröbere Neckjoints aufweisen.

Die Kopfplatte (Headplate)


favino_010 Eine weitere Besonderheit von alten Favino-Gitarren (1960 -1984) ist die Kopfplatte der Gitarren, welche im oberen Teil etwas schmaler als die der Selmer-Gitarren, im unteren dagegen etwas breiter ist (Bild 7 rechts). Favino 1991 1050 10

Die Kopfplatten der von Jean-Pierre Favino ab den frühen 1990er Jahren gebauten Gitarrenmodelle wurde von ihm wiedrum verändert und hatte eine durchgängig etwas breitere Form. In den Jahren zwischen 1984 und 1990 experimentierte Jean-Pierre Favino
mit verschiedenen Formen sodass es hier eine Übergangsphase mit etwas unterschiedlichen Formen gibt.


Weiter zu -> Merkmale originaler Favino-Gitarren (Teil 2/3)


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